Review by Kito Nedo, Süddeutsche Zeitung, 14/15 January 2012
DEUTSCH
"Als Rainer Werner Fassbinder seine Genet-Verfilmung Querelle drehte, war er längst ein Star. Dennoch begegnete der als exzentrisch und feinfühlig bekannte Regisseur anderen Berühmtheiten mit Respekt. Warhol etwa bewunderte er, hatte aber auch Angst, ihn zu treffen. So zumindest erinnerte sich der Schauspieler und Querelle-Produzent Dieter Schidor. Im April 1982, kurz vor Fassbinders Tod, besuchten der Regisseur und sein Produzent die Factory, um mitWarhol über das Plakat für den Film zu sprechen. Warhol machte dem Besucher aus Deutschland erstmal ein großes Kompliment. er habe Querelle gesehen: „Er hat mich heiß gemacht, den ganzen Tag lang heiß.“ Das Eis war gebrochen.
Warhols Plakat für Fassbinders Film ist nun in der Galerie VeneKlasen/Werner zu sehen. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Fotografien vom Filmset von Roger Fritz, der die Dreharbeiten in den Berliner CCC-Studios nicht nur als Fotograf begleitete, sondern selbst zum Querelle-Ensemble zählte. Wie ein violettfunkelnder Wandfries ziehen sich die eng in drei Reihen übereinander gehängten 119 Abzüge auf einer Wand durch die drei Ausstellungsräume und beschwören noch einmal Fassbinders letzten Film, die düstere Geschichte um einen bisexuellen Matrosen und seine Verstrickungen in Gewalt, Sex, Mord und Unterwerfung. Ein Angebot, mit dem Veneklasen/Werner sicher auf die Berlinale-Gäste zielt."
ENGLISH
"By the time Rainer Werner Fassbinder shot his film version of Genet's Querelle, he was already a star. Although known to be eccentric and delicate, other celebrities met him with respect. Warhol admired him, but was also afraid to meet him. At least, this is how Dieter Schidor, an actor and producer of Querelle, remembers it. In April 1982, shortly before Fassbinder's death, the director and Schidor visited the factory to meet Warhol and discuss the poster for the film. Warhol had visited the set and seen Querelle: "It made me hot, hot all day long." The ice was broken.
Warhol's poster for Fassbinder's film is now in the gallery VeneKlasen / Werner. The focus, however, is on the production photographs of Roger Fritz, who attended the shoot in Berlin's CCC Studios not only as a photographer, but as a member of the Querelle cast. Like a sparkling, violet mural, Fritz's photographs, closely arranged on the gallery walls, again summon Fassbinder's final film, the gritty story of a bisexual sailor and his involvement in violence, sex, murder and subjugation - an offering that will surely capture the guests of the Berlinale."